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Alt 10.12.19, 13:56
Elfulus Elfulus ist offline
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Standard AW: Bohrende Quantenfrage

Zitat:
Zitat von Elfulus Beitrag anzeigen
1. Braucht man das Konstrukt der Vorstellung, dass sich vor einer Messung alle möglichen Zustände in einer Superposition überlagern, für die QM-Mathematik oder für die Logik/Voraussagen der QM?
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Zitat von Timm Beitrag anzeigen
Durch den Zustand der Superposition sind die möglichen Messergebnisse festgelegt. Wenn man von der "Bohm'schen Mechanik" absieht ist die Quantenmechanik nicht determiniert. Das einzelne Messergebnis ist damit nicht determiniert. Wenn ein Teilchen durch den Doppelspalt geht, erscheint der Punkt mit einer durch die Wellenfunktion gegebenen Wahrscheinlichkeit irgendwo auf dem Schirm. Gehen viele Teilchen durch, ergibt sich das Interferenzbild.
Das beantwortet nicht meine Frage, ob die Wellenfunktion (als Umschreibung einer statistischen Wahrscheinlichkeitsverteilung bei der potentiellen Messung) überhaupt das Konstrukt einer vorherigen realen Superposition aller möglichen Zustände benötigt. Bildlich gesprochen: was nützt mir die Vorstellung, dass der in einem unsichtbaren Becher geschüttelte Würfel vor dem Nachschauen jede Punktzahl von 1-6 darstellt, bevor man nachschaut. Ich denke, man benötigt dieses Konstrukt nicht, um zu erklären, dass man lediglich die Wahrscheinlichkeit für eine der möglichen Würfelzahlen berechnen kann. Im Falle der QM greift man dazu eben auf mathematische, irreale aber hilfreiche Konstrukte zurück, deren Lösungen letztlich wieder in der Realität liegen (ähnlich den komplexen Zahlen, die als negative Wurzeln irreal, aber bei der Berechnung mancher realer Probleme hilfreich sind). Das bedeutet aber m.E. doch nicht, dass man diese bei der Berechnung hilfreichen irrealen Konstrukte irgendeine Realität zuschreiben sollte.
Zitat:
Zitat von Elfulus Beitrag anzeigen
2. Muss ein streng deterministisches System vorhersagbar und/oder perfekt messbar sein (nicht nur numerische/statistische Annäherung wie z.B. bei Dreikörperproblem/deterministischem Chaos)?
Zitat:
Zitat von Timm Beitrag anzeigen
Einige Anworten dazu findest du hier.
Meine Frage war insofern etwas rethorisch, da ich sie mit nein beantworten würde, weil es aus meiner Sicht genügend Beispiele für streng deterministische Systeme gibt, die nicht vorhersehbar sind und deren Messungen ebenfalls nur mit Wahrscheinlichkeitsverteilungen (oder mumerischen Annäherungen) korrelieren. Umgekehrt soll man dann aber einen Zustand nicht als undeterminiert bezeichnen, nur weil dessen Messung ein nicht exakt vorhersehbares Ergebnis liefert. Wie kann man nur aus dem Tatbestand, dass ein Zustand vor einer Messung für uns unbestimmt ist, oder dass beim Doppelspalt der Weg der Teilchen jedesmal (einer Wahrscheinlichkeit folgend) anders ist und in Masse die Messung auf dem Schirm sogar Wellencharakter ergibt, ableiten, dass die zugrundeliegene "Mechanik" prinzipiell nicht determiniert sei?
Zitat:
Zitat von Elfulus Beitrag anzeigen
3. Wenn man 1.+2. ohne "QM-Mathematik-Störung" mit nein beantworten darf, kann man dann nicht naheliegender annehmen, der Zustand eines Quantensystems sei auch schon vor einer Messung derterminiert?
Zitat:
Zitat von Timm Beitrag anzeigen
Was bedeutet ohne "QM-Mathematik-Störung" ?
Wenn QM ohne Wellenfunktion gemeint ist, bleibt von QM nichts übrig.
Störung meint: Wenn ich die Vorstellung einer realen Superposition fallen lasse, ändert sich dann die Wellenfunktion oder die Wahrscheinlichkeitsverteilung bei der Messung oder irgendeine Voraussage der QM, abgesehen von der angeblich realen Überlagerung von Zuständen und der nicht-lokalen Fernwirkung? Beschreibt nicht die Wellenfunktion gerade nur potentielle Wahrscheinlichkeitsverteilungen und eben nicht ein reale Momentaufnahme eines (noch) unbestimmten Quantenzustands? Was übersehe ich?
Insgesamt könnte man natürlich einwenden: Was interessiert's ob es nur irreal oder real ist, solange die Ergebnisse in der Realität stimmen? Ich denke, es fängt an spannend zu werden, wenn man bestimmte Annahmen (wie die Superposition) in einer realen Weise benötigt, um z.B. so etwas wie Qbits und Quantencomputer zu konstruieren, bzw. meint, man könne vielleicht irgendwann angebliche nicht-lokale Fernwirkung in verschränkten Quantensystemen für irgendwas nutzen.
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Beste Grüße vom elfulus
They did not know it was impossible so they did it. -Mark Twain-

Geändert von Elfulus (10.12.19 um 14:34 Uhr)
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