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Alt 09.09.18, 21:00
Ich Ich ist offline
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Standard AW: Warum eine agnostische Sicht der Physik Quatsch ist

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Zitat von TomS Beitrag anzeigen
Wer also diesen positivistischen Schrott glauben will, kann dies gerne tun. Wer jedoch an Physik interessiert ist, ist auch an Erklärungen interessiert. Diese liefern immer eine Antwort auf ein Warum - zwar nie die letztgültige und nie mit absoluter Sicherheit, jedoch nach bestem Wissen und Gewissen. Ich denke, das untermauert meine Aussage, dass die o.g. positivistischen Denkverbote und die angeblich agnostische Grundhaltung Quatsch sind.
Ich habe nicht viel am Hut mit diesen -ismen und der ganzen Geisteswissenschaft dahinter. Aber wenn ich nach Wikipedia gehe, kritisierst du weniger den Positivismus als vielmehr den Instrumentalismus. Mir scheint sogar, du seist ein Positivist.

Es ist ein weitverbreitetes Schlagwort, die Physik befasse sich mit dem wie, nicht mit dem warum. Das ist auch meiner Meinung nach Unsinn, oder zumindest extrem missverständlich formuliert. Natürlich sucht die Physik keinen Sinn des Lebens, des Universums und des ganzen Rests, und in dem Sinne fragt sie nicht nach dem warum. Aber es ist natürlich das Ziel der Physik, mit einem möglichst einfachen Modell möglichst viel zu beschreiben. Von daher sind warum-Fragen absolut erlaubt, und sie werden immer mit der nächsttieferen Schicht des Modells beantwortet. Interessant wird es, wenn man an der momentan tiiefsten Schicht angelangt ist.
Zitat:
Zitat von TomS Beitrag anzeigen
Dass Modelle zuverlässige, experimentell überprüfbare Vorhersagen machen ist nicht das einzige Kriterium, sondern triviale Voraussetzung dafür, dass sie überhaupt diskutiert werden. Darüberhinaus werden sie bzgl. ihrer internen Logik und Kohärenz bewertet und akzeptiert bzw. verworfen. Darüberhinaus werden viele Modelle und Ansätze diskutiert und verworfen, bevor sie soweit ausgearbeitet sind, um überhaupt experimentell überprüfbare Vorhersagen zu machen.
Wenn die Überprüfbarkeit "triviale Voraussetzung" ist, dann verstehe ich dein Problem mit dem Positivismus nicht. Hast du nicht eben dafür geworben, dass auch unüberprüfbare Aussagen zur Physik gehören?
Zitat:
Zitat von TomS Beitrag anzeigen
Die Methode der theoretischen Physik ist die Mathematik, nicht die Alltagssprache und deren Kategorien. Demzufolge ist das, was ein Physiker unter „Photon“ versteht eben gerade nicht das „Ding“ unserer Erfahrungswelt, sondern das, was er mit mathematischen Konzepten zu fassen versucht.

Wenn in der Literatur und in diversen Foren ein anderer Eindruck entsteht, dann ist das bedauernswert, aber nicht im Kern das Problem, denn die Physiker sind sich dieser Problematik bewusst. Sie begehen jedoch teilweise den (groben) Fehler, in der Diskussion mit Laien eine zu sorglose und unpräzise Ausdrucksweise zu verwenden, die dann zu derartigen Problemen führt.
Das wiederum hört sich für mich nach Instrumentalismus an - das mag aber an meiner persönlichen Disposition liegen.
Für mich erklärt die Mathematik nämlich fast gar nichts. Mathematik ist nicht meine Sprache. Ich akzeptiere vollumfänglich, dass eine phyiskalische Theorie mathematisch formuliert sein (oder anderweitig exakt) sein muss, aber Satz->Beweis ist nicht der Weg der Physik. Nehmen wir als Beispiel die ART mir Ausgangspunkt SRT: Der Kerngedanke ist, dass die Gravitationskraft eine Trägheitskraft ist. Einstein war so von dieser Tatsache (wenn es denn eine ist) überzeugt, dass er keine Sekunde den zeitgenössischen Physikern in ihren Versuchen gefolgt ist, die Gravitation in die SRT "einzuarbeiten". Diese grundsätzliche Erkenntnis "es gibt keine Gravitationskraft" ist absolut unmathematisch. Es dauerte auch 8 Jahre, bis die Mathematik dahinter formuliert war. Sie hat nie den Weg gewiesen, sie musste nur so weit entwickelt werden, bis sie die grundsätzliche Idee beschreiben konnte. Der Rest ergab sich "von alleine".
Also: Ich gehe konform mit dir, dass Phyik immer auch die Besgründung braucht, das "warum", und nicht nur gedankenfreies Einsetzen ins Modell ist. Die Mathekatik ist aber m.E. nicht die grundsätzliche Methode der theoretischen Physik. Im Prozess der Ideenfindung - und damit der Weiterentwicklung der Physik - spielt sie manchmal überhaupt keine Rolle. Irgendwann muss man halt das, was man erdacht und verstanden hat, auch mathematisch formulieren, um die notwendige quantitative Exaktheit zu erreichen. Dass die Mathematik selbst etwas grundsätzlich Neues erschlossen hätte, ist nach meiner Erfahrung seltener der Fall.
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